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Hochstädter Kirchenkonzerte werden nicht mehr fortgesetzt

Hochstädter Kirchenkonzerte werden nicht mehr fortgesetzt / Finale am 13. Dezember

Von Lars-Erik Gerth / Hanauer Anzeiger

Maintal – Die Hochstädter Kirchenkonzerte gehörten über dreieinhalb Jahrzehnte hinweg ohne Zweifel zu Maintals kulturellen Leuchttürmen. Umso trauriger stimmt nun die Nachricht, dass die renommierte Reihe nicht mehr fortgesetzt wird. Nach der coronabedingten Zwangspause – am 13. März 2020 hatte mit dem Auftritt des Reuthinquartetts das letzte Konzert stattgefunden – wird es aber noch eine Abschlussveranstaltung geben. Das Barocktrompeten-Ensemble Berlin wird diese am Montag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr in der evangelischen Kirche bestreiten. Das weihnachtliche Programm unter dem Titel „The King’s Christmas“ wartet dann mit festlichen Werken englischer Komponisten aus dem 16. und 17. Jahrhundert auf.

„Das Konzert findet unter 2G-Bedingungen statt. Es wird darum gebeten, auch am Platz Maske zu tragen."

Die Konzerte wurden nach dem Ausscheiden des Gründers Pfarrer Hermann Langheinrich seit 2010 gemeinsam von der Evangelischen Kirchengemeinde Hochstadt und dem Förderkreis Hochstädter Kirchenkonzerte ausgerichtet. Die Organisation und dabei vor allem die Auswahl sowie Verpflichtung der Künstler oblagen dem Förderkreis und damit in erster Linie Beate und Karlheinz Grebhardt.

Ehrenamtlich leistete das Ehepaar über mehr als ein Jahrzehnt hinweg hervorragende Arbeit, die ausgesprochen zeitintensiv gewesen ist. Mit wenigen Helfern bewältigte Karlheinz Grebhardt so Auf- und Abbau der Bühne. Aufwändig gestalteten sich auch Kartenverkauf und Abo-Betreuung. Das Ehepaar Grebhardt hat das alles mit viel Herzblut geleistet, ist nun aber an einem Punkt angelangt, an dem es diesen Aufwand auch aus privaten Gründen nicht mehr bewältigen kann.

Hinzu kommen organisatorische Änderungen, wie Beate und Karlheinz Grebhardt im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert. Das bisher eigenständig geführte Bankkonto darf auf Beschluss des Kirchenkreises nicht mehr geführt werden. Die gesamte Abwicklung der Gelder erfolgt ab nächstem Jahr im Kirchenkreisamt Hanau, dies würde zu einem weiteren großen Aufwand und Schwierigkeiten führen, z. B. würden dann die Informationen zu Geldeingängen im Vorverkauf am Konzertabend nicht vorliegen, auch die Prüfung der vielen Geldeingänge von den Abonnenten und die Zahlung der Honorare gestalten sich dann sehr schwierig.

Aber auch, die anstehende Umsatzsteuerpflicht, von der kulturelle Veranstaltungen der Kirchengemeinden bisher ausgenommen waren.

„Es ist einiges zusammengekommen, was uns sehr schweren Herzens zu der Entscheidung geführt hat, die Hochstädter Kirchenkonzerte nicht mehr fortzuführen“, erläutern Beate und Karlheinz Grebhardt die Hintergründe des Endes dieser traditionsreichen Maintaler Kulturreihe.

Dieses bedauert auch Annegret Zander, die seit April als Nachfolgerin von Uwe Rau als Pfarrerin in Hochstadt wirkt. Zugleich kann sie die Entscheidung des Ehepaars Grebhardt sehr gut nachvollziehen. „Die Organisation der Konzerte ist mit sehr viel Arbeit verbunden. Und Sie haben diesbezüglich über Jahre hinweg Hervorragendes geleistet“, würdigt Zander den großen Einsatz der Grebhardts und der weiteren Aktiven, die mitgeholfen haben, diese hochwertigen kulturellen Veranstaltungen anbieten zu können. Entsprechend ist es der Pfarrerin ausgesprochen wichtig, insbesondere Beate und Karlheinz Grebhardt beim letzten Konzert am 13. Dezember in gebührender Form zu würdigen und ihnen den Dank der Kirchengemeinde Hochstadt auszusprechen.

Coronabedingt konnten in der 35. Spielzeit im Jahr 2020 nur drei der geplanten zehn Konzerte stattfinden. Mit dem Auftritt der Musiker aus Berlin wird nun ein viertes nachgeholt. Die Abonnenten und sonstige Konzertkarteninhaber werden derzeit von Beate Grebhardt darüber informiert, dass die Reihe nicht fortgesetzt und mit dem vorweihnachtlichen Konzert im Dezember beendet wird.

„Alle Karteninhaber erhalten für die ausgefallenen sechs Konzerte ihr Geld zurück. Sie haben aber auch die Möglichkeit, den Betrag für jene Künstler zu spenden, die 2020 bei uns nicht auftreten konnten. Gerade diese frei schaffenden Musiker haben besonders unter der Corona-Pandemie gelitten, da sie über viele Monate hinweg nicht auftreten konnten und ihnen damit die Einnahmen weggebrochen sind. Die Abonnenten können das Geld, das sie zurückbekommen würden, aber auch für die Kirchenmusik der Hochstädter Gemeinde spenden“, erläutert Beate und Karlheinz Grebhardt die möglichen Alternativen für die Karteninhaber zur Rückzahlung des Geldes für die sechs ausgefallenen Konzerte im Jahr 2020.

Beate Grebhardt hat auch bereits Kontakt zu zahlreichen Abonnenten und Karteninhaber aufgenommen. Auch, um zu klären, ob sie am 13. Dezember zum finalen Konzert kommen können. Davon hängt hauptsächlich ab, wie viele Plätze in der Kirche noch in den freien Verkauf gehen können. Grundsätzlich behalten alle für das ursprünglich für den 14. Dezember 2020 geplante Konzert des Berliner Ensembles erworbenen Karten ihre Gültigkeit.

Der Vorverkauf für das Finale der Hochstädter Konzertreihe soll am Montag, 29. November, starten. Karten können dann unter Telefon 06181 4236252 oder per E-Mail an die Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erworben werden.

Hermann Langheinrich hatte die Konzertreihe im Jahr 1986 ins Leben gerufen. Der Anfang 2018 verstorbene Hochstädter Pfarrer hatte vor allem sehr gute Verbindungen zu prominenten Künstlern aus der damaligen DDR, die bereits vor dem Mauerfall mehrfach in der aufgrund ihrer superben Akustik ideal für Kammerkonzerte geeigneten Hochstädter Kirche auftraten. Musiker wie der Trompeter Ludwig Güttler, der Flötist Eckart Haupt, der Organist Matthias Eisenberg oder der durch seine TV-Auftritte bekannte Bassist Gunther Emmerlich hielten Langheinrich auch Jahre nach der deutschen Einheit die Treue und sorgten für große künstlerische Abende in Hochstadt.

Aber auch darüber hinaus gaben sich bis 2020 immer wieder international gefeierte Musiker und Ensembles, aber ebenso junge, aufstrebende Künstler ein Stelldichein in der Kirche an der historischen Hochstädter Hauptstraße. Erwähnt seien an dieser Stelle stellvertretend nur die Russische Kammerphilharmonie unter Leitung von Juri Gilbo und mit dem international gefeierten Violinisten Dmitri Berlinsky, der Klarinettist Roman Kuperschmidt und das Gershwin Quartett, die Blechbläser von Harmonic Brass, die Wachenbucher Flötistin Ute Koch, das Kodály-Quartett oder die Saalfelder Vocalisten.

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