Tageslosung

Seine Herrschaft wird groß und des Friedens kein Ende sein.
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Gedanken zum Monatsspruch September 2017
monatsspruchsep2017

 

In ungewohnter Position
Wieder ist nur eine Kasse auf. Ich stehe in der Schlange im Supermarkt. „Kasse bitte!“, erklingt die befreiende Durchsage. Die Anspannung wächst. Die Haltestangen der Einkaufswagen werden kräftiger umfasst. Die Rollen müssen im rechten Moment schnell herumgerissen werden können. Welche Kasse? Die Köpfe gehen nach links; nach rechts. Da zieht von hinten die Erlösung in Form der Kassiererin ein. Ich reagiere einen Moment zu spät; andere sind schneller. 

Typisch: Die sich als Letztes angestellt haben, stehen jetzt als Erstes an der anderen Kasse vorne und ich habe das Nachsehen. „Die Letzten werden ...“, sage ich beruhigend zu mir selbst und mit visionär strengem Blick auf die Sieger neben mir: „Ich werdet es noch sehen und es wird wahr werden: Ich werde Erster.“ Als ich an die Kasse komme, hat die Dame vor mir das letzte Stück Papier aus dem Einkaufszetteldrucker ausgehändigt bekommen. „Ja! Ich also werde der Erste sein, der das neue Papier in den Händen hält.“ Und habe es schwarz auf weiß: Auch das Erste muss nicht das Beste sein. 

Positionswechsel: Meine Positionen habe ich nicht wirklich in den Händen. Die Letzten mögen es als Befreiung hören, die Ersten als Bedrohung. Auf Status wird Verzicht folgen. Der Austausch der Standpunkte bringt alle in Bewegung und die radikale Aussicht, dass sich keiner seiner Sache sicher sein kann. Radikal heißt, auf die Wurzel schauen: Es sind alle auf Gnade angewiesen, dass einer kommt und aus festgefahrener Position erlöst. 

Die jüdisch-christliche Ethik des Positionswechsels zeigt bis heute Trainingserfolge. Jede Position fordert bestimmte Eigenschaften. Allen voran das Wissen, dass sie veränderbar ist. Wer auf ungewohnten Positionen spielt, sammelt auch da wertvolle Erfahrungen. Andere Umgebungen verändern den Blick. Mancher muss mal in die Offensive und sich damit zurechtfinden, dass von verschiedenen Seiten Druck ausgeübt wird. Es mag eine Zeit kommen, dass die defensive Position mit freiem Raum im Rücken gut tut. Die Macht zum Wechsel kommt von außen; als Erlösung in mein Herz. Dann folgt die Ethik in einer selbstverständlichen Gelassenheit: „Ich werde einmal Letzter.“ Das geht, denn es geht auch andersherum: „Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein.“ Amen.

Pfarrer Lars Hillebold, Kassel