Tageslosung

Siehe, auch jetzt noch ist mein Zeuge im Himmel, und mein Fürsprecher ist in der Höhe.
Paulus schreibt: Bei meinem ersten Verhör stand mir niemand bei, sondern sie verließen mich alle. Es sei ihnen nicht zugerechnet. Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich.
Gedanken zum Monatsspruch Juli 2017
mediotvmonatsspruchjuli2017rgbrm

Grafik: medio.tv/Jutta Blåfield

Wir nehmen uns ins Gebet
Nehmen Sie schon mal jemanden ins Gebet? Im Wortsinn, meine ich? Und sagen Sie es ihm oder ihr dann auch? Mir klingt ein „Ich bete für dich“ oft ziemlich steil, fast übergriffig. Vielleicht will der andere ja gar nicht, dass ich für ihn bete.
Andererseits: Bis ich selbst zu jemandem sage: „Bete für mich“, muss schon viel und Schlimmes geschehen oder zu befürchten sein. Traue ich mich, andere darum zu bitten? Dabei habe ich doch die Erfahrung gemacht, dass es gut tut, wenn mir Menschen vor Schwerem sagen: „Ich denke an dich.“ Und das ist einem Gebet schon ziemlich nahe. Ich sage oder maile mittlerweile öfter „Ich denke an dich, auch beim Beten.“ Und damit ich diese Zusage nicht vergesse, nutze ich die Kirchenglocken und einen Kerzenständer unserer Kirche. Wenn es mittags und abends läutet, lasse ich mich einen kurzen Moment unterbrechen – „Gott, ich denke vor dir an …“ Oft ist es nicht mehr.
Morgens – ich habe mir das Aufschließen unserer Kirche zur Aufgabe gemacht – gehe ich kurz in die Kirche, atme einmal tief durch und zünde ein Teelicht an, fast jeden Tag. Das Licht leuchtet, wenn ich schon längst an meinem Schreibtisch sitze und an alles Mögliche andere denke.
So zu beten, wie es der Apostel Paulus an die Christen in Philippi schreibt, ist mir auf den ersten Blick fremd. „Dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung“, klingt irgendwie auch ziemlich hochtrabend. Aber trotzdem, gut wäre es schon, wenn wir durch das, was uns das Leben schenkt und zumutet, nicht von Gott weggezogen oder weggedrückt werden. Wenn die Krisen und das Großartige, die kleinen Höhenflüge und auch die manchmal großen Katastrophen unseres Lebens unser Gottvertrauen nicht völlig zerstören können, sondern wir darin wachsen.
Selbstverständlich ist das keineswegs, dazu ist manches zu berauschend schön und anderes so viel zu schwer. Deswegen ist es gut, wenn wir einander ins Gebet nehmen. Ob wir’s uns nun sagen oder nicht – obwohl: Sagen tut schon gut.

Dekan Wolfgang Heinicke,
Kirchenkreis Hofgeismar