Tageslosung

Wo viel Worte sind, da geht?s ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug.
Mit der Zunge loben wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes gemacht sind. Aus "einem" Munde kommt Loben und Fluchen. Das soll nicht so sein, liebe Brüder.
Gedanken zum Monatsspruch September 2019
64142monatsspruchsept2019rgb

Das Leben ist unverfügbar
Das Leben soll gelingen. Es soll möglichst erfolgreich verlaufen, viel Spaß machen und man möchte ohne Zwischenfälle dem Leben tunlichst viel abgewinnen. An Geburtstagen wünschen wir meist Erfolg und ein langes Leben. Unser Blick ist heute mehr nach außen gerichtet. Entspannung und Entschleunigung des Lebens müssen wir heute wieder mühsam lernen. Viele lassen sich das auch was kosten.
Jesus warnt in einem Gespräch seine Jünger, den Blick zu sehr auf das äußerliche Leben zu richten. Er sagt: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“. Er richtet den Blick auf den Atem des Lebens, denn die Bedeutung des hebräischen Wortes erinnert daran, dass Gott dem Menschen sein Leben eingehaucht hat. Diesen Atem Gottes zu verlieren wiegt schwerer, als die Welt zu gewinnen.
Unser Leben bestimmt sich eben nicht nur aus der Steigerung des Konsums oder des wirtschaftlichen Wachsens. Es gelingt nicht nur, wenn wir uns sportlich fit halten und möglichst gesund ernähren. Dass Leben gelingt, zeigt sich auch in den Zeiten, wo wir es gerade nicht im Griff haben oder hatten. Mich hat kürzlich die Geschichte eines 50-jährigen Mannes berührt, der nach einer niederschmetternden Diagnose versucht hatte, dem Leben noch möglichst viel abzugewinnen. Er kaufte eine teure Uhr und einen Porsche. Doch er merkte, dass ihm das nur kurze Freude bereitete. Stattdessen rüstete er sich aus für den Jakobsweg.
Wir bekommen das Leben nicht in den Griff, wenn wir nur den Erfolgs- und Konsumweg beschreiten. Es wird erst reich, wo es gefordert ist. Wer wirklich leben möchte, der muss sich entscheiden, der muss nein sagen zu dem Wahn, alles nur haben zu müssen und alles für sich benützen zu müssen. Der Monatsspruch für den September ist eine Herausforderung, nicht den vielen Verheißungen nachzulaufen, die uns versprechen, wie wir das Leben in den Griff bekommen.
Leben ist nicht auf der Seite des Habens, sondern des Seins. Es ist unverfügbar. Leben blüht auf, wenn wir ihm Zeit lassen und der Seele Raum geben – auch wenn es nicht so verläuft, wie wir uns das gerade wünschen.

Pfarrer Michael Gütgemann,
Hülsa